Die SE-Fan-CD zur 300. Folge

Da habe ich nun die CD-Hülle in der Hand, und Ronja lächelt mich von einem kleinen Bildchen auf dem Cover an. Das war's dann aber auch schon im großen und ganzen mit der Freude.

Zunächst einmal muss mit Bedauern festgestellt werden, dass die Produzenten (ausführend: Leslie Mandoki) nicht den Mumm hatten, ein "Fourtunes-Only-Album" zu machen. Ein ziemlicher Schlag ins Gesicht für die SE-Band, nicht einmal einen solch simplen Vertrauensbeweis zu bekommen und statt dessen die eigenen Songs von sicheren Standards verpackt zu sehen. Diese "Schutzhülle" ist an sich auch schon ziemlich durchmischt: Hochkarätige Leute wie Inga Humpe (2Raumwohnung) oder Judith Holofernes (Wir sind Helden) mit Schrott wie Busted oder Bro'Sis (deren Beatles-Ermordung den Tiefpunkt der CD darstellt) auf ein und derselben Scheibe: Eine Frechheit! Weiter werde ich dazu nichts sagen, außer dass es lobenswert ist, auch ein paar deutsche Songs dazwischengeschmuggelt zu haben. Es geht hier hauptsächlich um die Songs der SE-Band.

Leider verhält es hier wie so oft, wenn neue Leute hochgepuscht werden sollen: Die Musik ist arg überproduziert, was bedeutet: Durch das Einfügen einer Unmenge an synthetisierten Soundeffekten und das "Schmieren" mit Hall an gesanglich kritischen Stellen werden stimmliche Unzulänglichkeiten übertüncht. Die sind bei den einzelnen Mitgliedern unterschiedlich stark ausgeprägt, aber ich denke, es wäre unfair, hier mehr dazu zu sagen, weil sie nämlich alle talentiert sind und jeder einzelne besser singen kann als ich und auch viele "Stars" von heute und gestern. Musikalischen Ausdruck haben sie alle, und die Songs sind gesanglich sehr ordentlich interpretiert. Der Schwachpunkt sind leider die Songs selber: In leicht zu verdauende Harmonien gesetzte Melodien dudeln seicht vor sich hin. Die oft wie aus Allgemeinplätzen zusammengeschnippelte Versatzstücke wirkenden Texte sind unangenehm trivial, sodass es wohl besser ist, wenn ein Gutteil der avisierten Kundschaft der englischen Sprache aus Altersgründen noch nicht in hinreichendem Maße mächtig ist. Ein bisschen mehr Biss hätte hier nicht schaden können. Friede-Freude-Eierkuchen-Texte, deren Message alle ohne Diskussion zustimmen können, bedienen zwar den Main-Stream, sind aber auch nicht so übermäßig spannend.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Songs sind alle nett, aber das reicht nicht. Okay, der "Einsteinsong" ist altbekannt, da kann man nicht viel falsch machen. Entweder man mag ihn, oder nicht. "Born To Win" ist mega-seicht, sowohl vom Material als auch von der Produktion her langweilig und schlichtweg musikalisch uninteressant. Ähnliches lässt sich über "One Voice" sagen. Ronja hat diesen Song im "Supervoice" - Casting im Zusammenhang mit dem 300. - Folge - Block in Ausschnitten zum Besten gegeben. Das rettet ihn aber nicht. Außer der interessanten knochentrockenen Basslinie (die aber von der nervösen Perkussion wieder zunichte gemacht wird) - lau. Hier haben die Arrangeure vergebliche Mühe darauf verwendet, einen schwachen Song aufzupolieren. Die restlichen Fourtunes - Songs werden nicht wirklich besser. "We Can Change The World" ist allerdings die Ausnahme: Eine unter die haut gehende, harmonisch interessante Ballade, die als einziger wirklicher Lichtblick auf der CD fast von L.A.Reid/Babyface oder einem späten Stevie Wonder stammen könnte. Dieser Song allein wäre es wert, sich die CD zu kaufen. Es hätte den Produzenten hier allerdings gut zu Gesicht gestanden, mal ein paar echte Streicher einzukaufen - es gibt genug arbeitslose Profimusiker in diesen Tagen - als alles aus dem Computer kommen zu lassen. War überhaupt ein einziger Studiomusiker an dieser Produktion beteiligt? Synthetischer Musik Leben einzuhauchen gelingt leider nur wenigen, und echtes Soul - Feeling entsteht nur, wenn Menschen die Instrumente bedienen. "Love Will Set Us Free" ist zwar tolerierbar, aber habe ich schon das Wort seicht erwähnt? Es geht einem tatsächlich hier rein und da raus. "Listen": Auch diesen Song hat Ronja in Ausschnitten im Zuge des "Supervoice" - Castings gesungen. Etwas düster produziert, aber mit gewissem Kult-Charakter. Hier ist die Rettung eines schwachen Songs durch das Arrangement gelungen, zumal auch der Text ausnahmsweise hörbar ist. Praktisch dasselbe gilt für "If We Believe". Ein paar interessante Harmonien und der übermäßige Einsatz von mega-tiefen Bässen und Fairlight-Sythies im Arrangement machen noch keinen guten Song, aber zumindest haben wir hier etwas Melodiöses zum Nebenbeihören, auch wenn der Text wieder in die gewohnte Trivialität abrutscht.

Was lernen wir? Überproduktion geht fast immer nach hinten los, und: Die Langlebigkeit einer CD (also die Chance, nicht nach zweimaligem Hören in die Ecke gefeuert zu werden) hängt vom Songmaterial ab. Und wir lernen nach Colonia Media, Askania Media, Bavaria Media und Saxonia Media eine weitere Tochter der Bavaria Film kennen: Bavaria Sonor.

Schloss Einstein - Das Fan-Album zur Serie. Erschienen: 19. Juli 2004. Bavaria Sonor 2004. 72 Minuten. 20 Songs, davon 7 von "Fourtunes". Aufnahmen: Red-Rock Studios Tutzing. Produzent: Leslie Mandoki. 12,99€. Empfehlung: Nur was für Fans.